Subjective Inequity Aversion: How Perceived Unfair Inequality Affects Subjective Well-being
03.06.2026
Neue Veröffentlichung von Sandra Bohmann und Fabian Kalleitner
03.06.2026
Neue Veröffentlichung von Sandra Bohmann und Fabian Kalleitner
Je ungerechter Menschen Einkommen wahrnehmen, desto niedriger ist ihr Glücksempfinden und ihre Lebenszufriedenheit. Dies gilt nicht nur für das eigene Einkommen, sondern auch für die Einkommen anderer an der Spitze. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie von Sandra Bohmann und Fabian Kalleitner (LMU München), veröffentlicht als Open Access im Journal of Happiness Studies. Zur Erklärung dieses Musters entwickeln die Autor:innen ein Modell subjektiver Ungerechtigkeitsaversion: Individuen vergleichen Einkommen mit ihren eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen — Unbehagen entsteht, wenn Einkommen als von diesen Vorstellungen abweichend wahrgenommen werden.
Auf Basis von Daten des European Social Survey 2018 aus 28 Ländern zeigt die Studie, wie erheblich dieser Zusammenhang ist: Wird das eigene Einkommen auf der 9-Punkte-Fairnessskala der Befragung um einen Punkt als ungerechter wahrgenommen, entspricht dies einem Verlust an Wohlbefinden, der ungefähr einer um drei Dezile niedrigeren Position in der Einkommensverteilung gleichkommt — selbst unter Berücksichtigung der relativen Einkommensposition der Befragten und des objektiven Ausmaßes der Ungleichheit im jeweiligen Land. Der Zusammenhang ist besonders ausgeprägt bei Einkommen, die als ungerechtfertigt zu niedrig wahrgenommen werden. Während die wahrgenommene Ungerechtigkeit von Spitzeneinkommen ebenfalls mit geringerem Wohlbefinden verbunden ist, zeigt die wahrgenommene Ungerechtigkeit von Einkommen am unteren Ende keinen nennenswerten Zusammenhang. Die Ergebnisse bestätigen sich in zahlreichen Robustheitstests und konnten teilweise auch längsschnittlich anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bestätigt werden, das allerdings nur die Ungerechtigkeit des eigenen Einkommens erfasst.
Die Autor:innen schlussfolgern, dass Ungerechtigkeit gegenüber sich selbst mehr schmerzt als Ungerechtigkeit gegenüber anderen. Die Ergebnisse untermauern theoretische Erkenntnisse, wonach ein Einkommen mehr als nur materiellen Wert bietet. Zukünftige Forschung könnte die Folgen wahrgenommener Ungerechtigkeit über das Wohlbefinden hinaus untersuchen, etwa deren Zusammenhang mit politischen Einstellungen.
Der Artikel ist Open Access verfügbar: https://doi.org/10.1007/s10902-026-01053-z